PROJEKT
ANTONIO NEGRI
– Eine Revolte, die nicht endet
Ein Film von
Alexandra Weltz and Andreas Pichler
Kamera: Dietmar Rasche
Schnitt: Evi Romen, Catharina Copony
Produziert von Gebrüder Beetz Filmproduktion
52 min., 2004
Film
hier
Fotocredit Christian Werner 2013
Wenige europäische Intellektuelle haben so viel Bewunderung und Hass, so viel Lob und Ablehnung erfahren wie Antonio Negri. Nur wenige haben ein so bewegtes Leben geführt. Antonio Negri war Universitätsprofessor, Philosoph, Aktivist, Flüchtling, Staatsfeind – und ist noch heute die Leitfiguren einer neomarxistischen Strömung des Operaismus. Der Film zeichnet das Porträt eines Lebens in der Revolte – einer Revolte, die nie endet.
1. Juli 1997. Ein älterer Mann landet mit einem Flug aus Paris in Italien. Eine Spezialeinheit der Carabinieri nimmt ihn sofort fest. Antonio Negri war nach 15 Jahren Exil freiwillig in sein Heimatland zurückgekehrt. Die Zeitung Libération feierte es als „Die Rückkehr des Teufels“.
Im Laufe der Jahre haben nur wenige Intellektuelle so viel Bewunderung und Hass, so viel Lob und Ablehnung erfahren wie Antonio Negri. Sein gemeinsam mit Michael Hardt verfasstes Buch Empire wurde ein internationaler Bestseller. Eine kritische Analyse der neuen globalen Ökonomie, gefeiert als kühnes neues Manifest für das 21. Jahrhundert, machte Negri über Nacht zu einem führenden Sprecher der internationalen Globalisierungskritik.
ANTONIO NEGRI – Eine Revolte, die nicht endet zeichnet das kontroverse Leben dieses Universitätsprofessors, Philosophen, Aktivisten, Gefangenen, Flüchtlings und sogenannten „Staatsfeinds“ nach. Der Film verfolgt Negris Wurzeln in den radikalen linken Bewegungen Italiens der 1960er- und 1970er-Jahre, angereichert mit Archivmaterial über Arbeiterstreiks, Fabrikbesetzungen, gewaltsame Straßenkämpfe, politische Repression und Gerichtsprozesse gegen Dissidenten.
In diesen turbulenten Jahrzehnten wurde Negri als böser Ideologe mit angeblichen Verbindungen zur Terrorgruppe Rote Brigaden gebrandmarkt. Er verbrachte zehn Jahre im Gefängnis und vierzehn Jahre im Exil in Paris, wo er sich in philosophische Debatten mit Denkern wie Deleuze und Guattari einbrachte. Der Film zeigt Interviews mit Negri, die nach seiner Freilassung im April 2003 geführt wurden, sowie Auftritte bei Seminaren und Protestveranstaltungen. Ergänzt wird dies durch Kommentare seines Mitautors Michael Hardt sowie italienischer und französischer Kollegen und Genossen.
Vor dem Hintergrund einer noch immer relevanten Kritik am neoliberalen Kapitalismus spricht Negri über die Gefahren der wirtschaftlichen, kulturellen und rechtlichen Umwälzungen durch die Kräfte der Globalisierung – ebenso wie über die Chancen, diesen Entwicklungen zu widerstehen. ANTONIO NEGRI beleuchtet den lebenslangen politischen Kampf dieses visionären Theoretikers, wie er sich auch heute in Werken von aktueller Bedeutung niederschlägt – etwa in Empire und dessen Fortsetzung Multitude: Krieg und Demokratie im Zeitalter des Empire, einem intellektuellen Gegenentwurf gegen die kapitalistische globale Ordnung.
Gefördert von der Kulturstiftung des Bundes und der Filmförderung Baden-Württemberg (MFG).